
Warum keine Namensbadges auf Konferenzen besser sind
Auf der SOLworld Konferenz im Mai 2025 in Belgien gab es keine Namensbadges am Empfang. Stattdessen sollten wir einfach fragen – auch mehrmals – und das Nachfragen als Zeichen von Interesse werten. Und wisst ihr was? Am Ende gab es von den 130 Teilnehmern großes Lob für diesen Versuch.
Das Problem mit Badges
Kennt ihr das auch? Namensschilder sind abgefallen. Sie hängen an der Jacke statt am Hemd – und die Jacke liegt über dem Stuhl. Sie baumeln am Hals, aber falsch herum. Sie sind am Gürtel befestigt, wo niemand hinschaut. Oder der Name ist halb verdeckt.
Es gibt so viele Situationen auf Konferenzen, wo die Namensbadges zwar theoretisch da sind, aber praktisch nichts nützen. Warum machen wir es uns nicht einfacher?
Die Open Names Methode
Ohne Badges entsteht etwas Wunderbares: echte Gespräche über Namen. Man fragt nach, zeigt damit Interesse, fragt vielleicht beim dritten Mal nochmal. Und das ist völlig in Ordnung – denn jede Nachfrage zeigt: Du bist mir wichtig genug, dass ich deinen Namen wissen möchte.
Inspiriert von den Gesetzen des Open Space – den vier Prinzipien und einem Gesetz – habe ich vier Prinzipien für Konferenzen ohne Namensschilder formuliert und als Sketchnotes illustriert. So können sie auf jeder Konferenz genutzt werden:

- Fragen zeigen Interesse. Wer nach dem Namen fragt, zeigt Interesse. Auch beim zweiten oder 3. Mal. Er hat nicht die Person vergessen – nur ein kleines Detail.
- (Nach-)Fragen sind Komplimente. Wenn jemand deinen Namen erneut hören möchte: freu dich. Es ist ein Kompliment.
- Unterstütze andere beim Erinnern. Nutze deinen und andere Namen im Gespräch und wiederhole deinen eigenen ganz selbstverständlich – vielleicht mit einer Erinnerungshilfe.
- Lernen braucht Wiederholung. Manche Dinge brauchen Wiederholung – das ist normal. Entspannt euch: Namen zu vergessen ist menschlich, genauso wie das Stolpern beim Laufen lernen bei Kindern. Da denkt sich auch niemand was dabei. Und freut sich sogar drüber.
Beim Lernen nutzt du dein Gehirn – und das hat einen Vorteil gegenüber dem bloßen Ablesen. Du übst, du merkst dir wirklich etwas. Und wenn du magst, kannst du dich dabei unterstützen: mit einer Namensliste, mit Eselsbrücken (wie "Anna aus Amsterdam"), mit kleinen Notizen zu Gesprächsthemen, oder indem du den Namen direkt mehrmals im Gespräch wiederholst.
Mein Praxis-Tipp: Die Namen-Notiz-Liste
Am ersten Abend lernte ich Ponta kennen, einen Japaner, der etwas Cleveres machte. Er öffnete eine Notizseite in Google Keep und schrieb jeden Namen auf, den er hörte. Einfach untereinander, chronologisch.
Ich habe das sofort übernommen und die nächsten drei Tage weitergeführt. Warum das so gut funktioniert:
- Das Aufschreiben selbst hilft beim Erinnern
- Man kann Merkhilfen ergänzen: Worüber haben wir gesprochen? Aus welcher Stadt kommt die Person?
- Die chronologische Reihenfolge hilft: "Hab ich gestern getroffen oder ganz am Anfang?"
- Man kann durchscrollen und sich aktiv an Personen erinnern
- Es ist einfacher als sich auf Badges zu verlassen, die sowieso oft nicht sichtbar sind
Das Beste daran: Ponta macht das nicht wegen der Badge-freien Konferenz. Er macht das immer. Weil es funktioniert.
Fazit
Namensbadges lösen kein Problem, sie schffen selbst eines. Ohne sie gewinnen wir echte Begegnungen, bei denen Namen Teil des Gesprächs werden. Wir üben aktiv zu lernen statt passiv abzulesen. Und wir schaffen eine Kultur, in der Nachfragen normal ist und Interesse zeigt statt Peinlichkeit.
Probierte es bei deiner nächsten Veranstatlung die du gibst aus – mit den vier Prinzipien und vielleicht mit einer kleinen Namensliste im Handy. Ihr werdet überrascht sein, wie viel entspannter und menschlicher Konferenzen ohne Badges werden können.