Im letzten Artikel ging es um echte Entspannung: 10–15 Minuten bewusste Entspannungstechniken täglich reichen aus, um das Nervensystem zu beruhigen.

Heute geht es um einen oft unterschätzten Faktor: Pausen.

Auch wer täglich entspannt, kann sich getrieben fühlen, wenn der Tag ohne Unterbrechung von Termin zu Termin läuft. Pausen sind mehr als nur «kurz durchatmen» – sie folgen einem Rhythmus, der sich an natürlichen Zyklen orientiert.

Der Rhythmus der Pausen

Unser Aufmerksamkeits- und Leistungssystem arbeitet nicht linear, sondern in Zyklen. Die Forschung zum ultradianen Rhythmus (BRAC – Basic Rest Activity Cycle) von Nathaniel Kleitman und Ernest Rossi zeigt: Unser Körper durchläuft etwa alle 90–120 Minuten einen Aktivitätszyklus, gefolgt von einer natürlichen Erholungsphase von etwa 20 Minuten.

Wissenschaftlich belegt sind diese Intervalle:

AktivitätPause
20 Minuten5 Minuten (Mikrounterbrechung)
90 Minuten15 Minuten
4 Stunden30 Minuten
8 Stunden1 Stunde
1 WocheEin halber Tag
2 WochenEin ganzer Tag
4 Wochen2 Tage
6 Monate1 Woche

Die längeren Intervalle sind nicht direkt erforscht, folgen aber der gleichen Logik: Phasen der Aktivität brauchen entsprechende Erholungsphasen.

Was ist eine echte Pause?

Eine Pause bedeutet: keine geplanten Termine, keine Aufgaben, nichts, was erledigt werden muss.

Bei kurzen Pausen (5–15 Minuten) ist das meist intuitiv: kurz aus dem Fenster schauen, eine Runde um den Block gehen, einfach innehalten.

Bei längeren Pausen – einem halben oder ganzen Tag – wird es schwieriger. Viele Menschen empfinden «nichts tun» als unangenehm oder unproduktiv.

Hier hilft ein Konzept, das mir sehr geholfen hat: atelische Aktivitäten.

Atelische Aktivitäten

Der Begriff «atelisch» stammt aus der Sprachwissenschaft und beschreibt Tätigkeiten ohne festgelegtes Ende oder Ziel. Im Gegensatz zu telischen Aktivitäten (mit klarem Endpunkt: «Ich schreibe den Bericht fertig») haben atelische Aktivitäten keinen definierten Abschluss.

Beispiele:

Der Unterschied liegt in der Haltung: Du beginnst ohne Zeitvorgabe oder Erfolgskriterium und beendest die Tätigkeit, wenn es sich richtig anfühlt.

Warum atelische Aktivitäten in Pausen helfen

Atelische Aktivitäten lösen zwei häufige Probleme bei längeren Pausen:

1. Das Gefühl von Planlosigkeit
«Was soll ich jetzt tun?» wird beantwortet durch eine Tätigkeit, die du beginnen kannst – ohne Plan.

2. Leistungsdruck
Da kein Ergebnis erreicht werden muss, entsteht kein versteckter Stress.

Sie geben Pausen Struktur, ohne sie zu verplanen. Du bist aktiv, aber nicht getrieben. Präsent, aber nicht zielorientiert.

Praktische Umsetzung

Nicht jeder kann alle empfohlenen Pausen umsetzen. Ein realistischer Ansatz für den Anfang:

Kurze Pausen im Arbeitsalltag:

Ein freier Tag alle zwei Wochen:

Die Wirkung

Regelmäßige Pausen, besonders wenn sie atelisch gestaltet sind, verändern das Verhältnis zur Zeit. Der permanente Druck, etwas erreichen oder fertigstellen zu müssen, lässt nach. Das Nervensystem lernt, dass es Zeiten gibt, in denen nichts «muss» – und kann in diesen Momenten tiefer entspannen.

Kombiniert mit der täglichen 10–15-minütigen Entspannung entsteht ein Rhythmus, der nachhaltige Erholung ermöglicht, ohne den Alltag komplett umzukrempeln.

Fazit

Pausen sind keine verlorene Zeit, sondern notwendige Intervalle für nachhaltige Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Atelische Aktivitäten machen diese Pausen zu echten Erholungsphasen – ohne Planlosigkeit, aber auch ohne neuen Stress.

Probier es aus: Plane dir in den nächsten zwei Wochen einen Tag ohne Termine. Und dann schau morgens, worauf du Lust hast – ohne Ziel, ohne Ergebnis.