Heute war einer von diesen kalten Tagen, an denen die Sauna im Fitnessstudio genau das Richtige ist. Ich saß in der finnischen Sauna, als jemand reinkam und sagte: „Dampfbad ist kaputt."

Er wollte eigentlich ins Dampfbad. Draußen gibt es einen Knopf, den drückt man, und dann geht die Dampfsauna an. Aber heute: Knopf gedrückt, nichts passiert. In seiner Welt war die Sache klar – kaputt.

Ich bin schon ein bisschen länger Mitglied im Studio und hatte mal mitbekommen, dass es bei der finnischen Sauna eine Zeitschaltuhr gibt. Die schaltet aus Sicherheitsgründen nach sechs Stunden den Hauptschalter ab. Dann muss das Personal ran und ihn wieder umlegen. Erst danach funktioniert der Knopf wieder.

Meine Vermutung: Beim Dampfbad könnte das genauso sein.

Ich hab ihm das erzählt. Aber er ist nicht aufgesprungen und hat beim Personal nachgefragt. Er blieb einfach in der finnischen Sauna sitzen.

Gute Tipps, die nicht helfen

Als ich später mit meinem Saunagang fertig war, hab ich an der Theke angerufen und gefragt, ob jemand den Hauptschalter wieder einschalten kann. Dabei saß jemand in der Entspannungsecke, der das Gespräch mitgehört hat. Und der gab mir einen Tipp: „Da musst du nur auf den Knopf drücken, dann geht die an."

Ja. Normalerweise stimmt das auch. Aber in diesem Fall eben nicht – weil der Hauptschalter umgelegt war. Knopf drücken bringt nichts, wenn dahinter kein Strom ankommt.

Ich finde das eine schöne Alltagsbeobachtung, die mir im Coaching immer wieder begegnet: Wie schnell wir mit Lösungen da sind, die unter normalen Umständen auch funktionieren würden. Aber die Welt der anderen sieht eben manchmal ein bisschen anders aus.

Eisberg-Modell: Sichtbares und Verborgenes – warum Lösungen nicht immer greifen

Der Hauptschalter

Im Coaching erlebe ich das regelmäßig. Jemand erzählt von einer Situation, und ich merke, wie in mir sofort Ideen aufploppen: „Hast du schon mal versucht...?" oder „Was wäre, wenn du einfach...?"

Meistens halte ich mich zurück. Nicht weil die Ideen schlecht wären – sondern weil ich nicht weiß, ob der Hauptschalter umgelegt ist.

Vielleicht hat die Person schon alles versucht, was offensichtlich erscheint. Vielleicht gibt es einen Grund hinter dem Grund, den ich nicht sehe. Vielleicht ist „Drück doch einfach auf den Knopf" genau der Tipp, den sie schon zehn Mal gehört hat – und der trotzdem nicht funktioniert.

Die Welt von anderen Menschen hört meistens nicht da auf, wo unsere aufhört. Da gibt es noch Schichten, Zusammenhänge und Gründe, die wir erst verstehen, wenn wir fragen statt raten.

Was ich daraus mitnehme

Vom Coaching hab ich gelernt: Die besten Gespräche entstehen nicht, wenn ich eine Lösung parat habe. Sondern wenn ich neugierig bleibe und gemeinsam mit dem anderen schaue, wo der Hauptschalter sitzt.

Das bedeutet nicht, dass Tipps immer falsch sind. Manchmal hilft „Drück auf den Knopf" tatsächlich. Aber vorher lohnt es sich zu prüfen, ob überhaupt Strom auf der Leitung ist.

Und das Ende meiner Sauna-Geschichte? Keine halbe Minute nach meinem Anruf kam eine Mitarbeiterin, ist in den Maschinenraum gegangen und hat den Hauptschalter umgelegt. Danach bin ich nochmal hin, hab auf den Knopf gedrückt – und die Dampfsauna lief.

Manchmal braucht es eben jemanden, der nicht nur auf den Knopf drückt – sondern mal nachfragt, warum er nicht funktioniert.