Im Februar bin ich in Tunesien angekommen. In Deutschland waren es Minusgrade. Dort 20 Grad, Sonne hinter ein paar Wolken, Strand. Nach einem ausgiebigen Frühstück bin ich losgeschlendert. Am Strand entlang, die salzige Luft geatmet, und habe mich irgendwann hingesetzt und einen Kaffee bestellt – mit Blick auf das Meer und die Sonne auf dem Gesicht.
Mir ging es gut. Und deshalb fragte ich mich: Wie gut geht es mir eigentlich gerade?
Die Frage klingt simpel. Aber sie ist es nicht. Denn meistens antworte auch ich auf „Wie geht's dir?" mit „Gut". Du wahrscheinlich auch. Wir alle machen das. Es ist ein Reflex und keine echte Antwort.
«Gut» sagt fast nichts
Das Problem mit einem „Gut": Es ist zu umfassend. Unser Leben ist vielfältiger. Mein Körper kann sich großartig anfühlen, während mich eine Sache auf der Arbeit seit Wochen beschäftigt. Meine Beziehungen können stabil sein, während ich das Gefühl habe, zu wenig Zeit für mich selbst zu haben.
„Gut" fasst das alles zusammen – und verwischt dabei die Unterschiede.
Die bessere Frage
Was mir geholfen hat: Die Frage aufzuteilen. Nicht „Wie geht es mir?" – sondern „Wie geht es mir auf einer spezifischen Ebene?" Und dann eine Zahl zu vergeben. Von 1 bis 10.
Damals am Strand sah das bei mir so aus:
Wie geht es mir körperlich? 10 bedeutet: genau so, wie es sein soll. 1 das Gegenteil. Ich war bei einer 8. Ausgeschlafen, gut gefrühstückt, frische Luft.
Wie glücklich bin ich heute? 10 bedeutet: so glücklich, wie es für diesen Tag sein soll. Ich war bei einer 10. Kein Wunder – Sonne, Meer, keine Termine und bald etwas Sport.
Jetzt, Vorhin, Gestern? Der Zeitraum
Und wie ich so darüber nachdenke, stellt sich mir eine weitere Frage: Wie war es die letzte Woche? Im letzten Monat? Im Durchschnitt der letzten Monate?
Da verschiebt sich einiges. Heute eine 10 auf der Glücklichkeitsskala – klar, ich sitze am Strand in Tunesien. Aber der Durchschnitt der letzten Wochen? Vielleicht eher eine 7. Das ist immer noch im „guten Bereich" – aber es ist eine bessere Information als einfach nur „Gut".
Zwölf Ebenen statt einer Antwort
Wenn du das weiterdenkst, merkst du: Es gibt nicht „das EINE Wie-geht-es-mir". Es gibt viele Ebenen. Körper, Emotionen, Beziehungen, Familie, Beruf, Finanzen, Sicherheit, Freizeit – alle können unterschiedlich stehen.
Ich habe das 2017 für mich das erste Mal durchgespielt. Zwölf Lebensbereiche, jeder mit einer Zahl von 1 bis 10.
Mit dem, was dabei rauskam, habe ich mein Leben und meinen Beruf geändert. Nicht weil alles dramatisch schlecht war – sondern weil ich die wichtigen Unterschiede gesehen habe, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Einige Bereiche bei 8 oder 9, andere bei 4 oder 5. Und bei der niedrigen 4 war das Interessante: Als ich hingeschaut habe, was dort schon funktioniert, war es mehr als gedacht. Und darauf habe ich aufgebaut.
Was du damit machen kannst
Du kannst das auch für dich ausprobieren. Nimm dir ein paar Minuten und geh verschiedene Lebensbereiche durch. Gib dir für jeden Bereich eine Zahl – nicht die lange durchdachte Zahl, sondern deinen ersten Impuls.
Und dann schau, was dir auffällt.
Wenn ein Bereich besonders hoch ist – freue dich. Sprich mit jemandem darüber. Wir reden viel über das, was problematisch ist, und zu wenig über das, was gut läuft.
Wenn ein Bereich weiter unten liegt, sagen wir bei einer 3 oder 4 – dann schau nicht auf die Lücke zur 10. Sondern frag dich stattdessen: Woran erkenne ich, dass ich bei einer 4 bin und nicht bei einer 1?
Diese Frage verändert den Blick. Weg von dem, was fehlt. Hin zu dem, was trägt. Und oft kommen damit die Ideen, wie sich das Thema noch verbessern lässt.
Selbst ausprobieren
Der Lebensbalance-Check führt dich durch 12 Lebensbereiche – in etwa 5 Minuten hast du ein Bild, wo du gerade stehst.
Und wenn du merkst, dass du in einem Bereich feststeckst und alleine nicht weiterkommst – manchmal hilft ein Gespräch, um Struktur ins Chaos zu bringen.