Es gibt eine Metapher, die ich ziemlich treffend finde: Zwei Holzfäller. Der erste sagt, er habe keine Zeit, seine Säge zu schärfen – er muss schließlich arbeiten. Also sägt er. Am ersten Tag schafft er zehn Bäume. Am zweiten neun. Dann sieben. Dann drei. Dann einen.
Der zweite nimmt sich am ersten Tag eine Stunde, um die Säge zu schärfen. Er schafft nur acht Bäume. Am zweiten Tag wieder acht. Am dritten auch. Am vierten neun – weil er beim Schärfen über seine Prozesse nachgedacht und sie verbessert hat. Am fünften Tag zehn.
Was an der Geschichte leicht übersehen wird: Der zweite Holzfäller hat über die fünf Tage weniger Zeit mit dem eigentlichen Sägen verbracht als der erste – jeden Tag ging eine Stunde fürs Schärfen drauf. Reine Aktionszeit, die am Baum gefehlt hat. Trotzdem hat er am Ende mehr Bäume gefällt: 43 statt 30. Arbeitszeit ist eben nicht dasselbe wie Aktionszeit. Wer einen Teil seiner Zeit in die Qualität der eigenen Arbeit steckt, kann trotzdem produktiver sein als jemand, der einfach durchsägt.
Diese Geschichte fällt mir immer wieder ein, wenn jemand sagt: „Ich hab leider keine Zeit fürs Coaching – ich muss arbeiten." Ich höre das gar nicht so selten. Und ich verstehe es auch. Aber ich frage mich dann: Wann soll die Säge besser werden, wenn man nie aufhört zu sägen?
Selbstverantwortung – auch im Kleinen
Im Coaching geht es wie im echten Leben um Selbstverantwortung, Eigenhandlung und eigenes Entscheiden. Das klingt erstmal groß. Ist es aber auch im Kleinen.
Zum Beispiel bei Terminen. Ich erlebe manchmal, wie jemand einen Termin ausmacht, ihn dann verschiebt oder absagt – und danach keinen neuen macht. Oder sagt „Ja, ich will weitermachen" und plant trotzdem nichts. Zwei Wochen gehen vorbei. Dann vier. Dann kommt das schlechte Gewissen dazu: „Jetzt ist es schon so lang her, ich meld mich irgendwie komisch nochmal…" Also meldet man sich gar nicht mehr.
Eine Abwärtsspirale, die sich selbst antreibt.
Ich erinnere bewusst nicht daran – nicht sofort zumindest – weil Selbstverantwortung bedeutet, dass du selbst den nächsten Schritt machst. Ich kann das nicht für dich tun. Und es wäre auch nicht gut, wenn ich es täte.
Was ich stattdessen mache: Ich ermutige dazu, noch im Termin direkt den nächsten zu buchen. Das ist fast das Beste, was man tun kann – der Kalender ist offen, die Energie ist noch da, und man muss sich nicht später nochmal aufraffen. Und wenn wirklich lange nichts mehr kam, frage ich nach einer Weile mit einer kurzen Nachricht nach. Kann ja mal untergehen.
Aber der Antrieb? Der kommt von dir.
Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste ist jetzt.
Und wenn der Kalender wirklich voll ist?
Jetzt der praktische Teil, für alle die sagen: „Aber mein Kalender ist wirklich voll."
Die nächsten Tage sind fast immer voll. Aber die nächsten Wochen sehen meistens anders aus.
Schau jetzt in deinen Kalender – nicht die nächsten drei Tage, sondern in zwei oder drei Wochen. Wenn da noch Raum ist, block dir eine Stunde. Für Coaching, für eine Weiterbildung, für was auch immer deine Säge schärft. Bevor die Woche voll wird.
Und dann behandle diesen Termin wie jeden anderen Termin, den du nicht verschiebst. Nicht „wenn ich Zeit habe". Sondern weil du ihn dir genommen hast.