Im Wellenwerk Berlin kann man auf einer stehenden Welle surfen. Beim ersten Besuch habe ich mir doch erstmal den Anfängerkurs gebucht.

Denn obwohl es sich bei beiden um Wellen handelt, fühlt sich die stehende Welle anders an als eine Meereswelle. Im Meer hat die Welle eine bestimmte Form und eine eigene Bewegung. Bei der stehenden Welle ist das anders: die Gewichtsverlagerung, die Strömung und die Geschwindigkeit. Wer die Bewegungsmuster aus dem Meer mitbringt, wird merken, dass sie hier nicht funktionieren. Welle ist eben nicht gleich Welle. Ich wollte das nicht erst durch zehn Stürze herausfinden, sondern durch Training.

Ich war begeistert von dem, was dort in 90 Minuten gemacht wurde.

Sketchnote – Why does a coach go to the beach?

Erst die Theorie – kurz und konkret

Zuerst die Basics: Wie steht man auf dem Brett? Welches Bein vorne, welches hinten? Wie verlagert man das Gewicht, um auf der Welle zu bleiben? Wie setzt man die Arme ein? Wie verhält man sich beim Sturz?

Nur das, was man wirklich braucht, um gleich mit der Praxis anzufangen. Danach geht es zum Aufwärmen und dann los.

Üben in einer sicheren Umgebung

Dann wurde im Wasser eine große Stange quer über die Welle angebracht. Alle zwölf Teilnehmer wurden nacheinander auf die Welle begleitet. Dort wurden ihre Füße richtig auf dem Board ausgerichtet. Dann hangelten sie sich mit den Händen an der Stange entlang weiter aufs Wasser. Dort hielten sie sich fest und entwickelten ein Gefühl für die Welle.

Alle zwölf Teilnehmer standen nebeneinander. Sie hielten sich fest. Der Körper begann zu lernen: Wie sich das Brett unten auf der Welle bewegt, wie sich Stabilität anfühlt und wie er die kleinen Anpassungen mit den Muskeln macht, um stehen zu bleiben. Das sind Dinge, die man nicht erklären, sondern spüren muss.

Nach ein paar Momenten konnte man schon eine Hand loslassen und kurz danach auch die zweite. Dann musste sich jeder ins Wasser fallen lassen, um mit dem nächsten Schritt zu beginnen.

Gelerntes anwenden und erweitern

Nun war jeder einzeln an der Reihe. Auch hier hatten die Trainer ein klares Vorgehen, wie jeder selbstständig von seinem aktuellen Standpunkt aus auf der Welle surfen kann.

Trainer Nummer eins legt das Brett ins Wasser und hält es dort mit dem Fuß fest. Er hilft dir, die richtige Fußposition einzunehmen, hält dich mit einem festen Händedruck beim Aufstehen auf dem Board und begleitet dich genau bis zu dem Punkt, an dem du in die Welle einsteigst. Sicher wie die Stange.

Trainer Nummer zwei kommt von der anderen Seite auf dem Surfboard angefahren und streckt die Hände aus. Du greifst zu. Er dirigiert dich mit leichten Gewichtsverlagerungen direkt in die Mitte der Welle. Dann bewegt er die Hände – und damit deine Schultern –, um dir zu zeigen, wie du die Richtung wechselst und nach vorne oder hinten fährst. Wenn du das einmal gespürt hast, nimmt er langsam eine Hand weg. Wenn du stabil bist, auch die zweite.

Und dann surfst du alleine.

Diese Abfolge wird so oft wiederholt, bis du gar keine Hilfe mehr brauchst – weder beim Aufsteigen auf die Welle noch beim Hin- und Herfahren.

Was dabei passiert ist

Von den zwölf Personen, die zuvor noch nie auf einer stehenden Welle gestanden hatten, konnten am Ende alle zumindest für einige Sekunden alleine surfen. Wirklich stehen, wirklich surfen.

Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines sehr genau durchdachten Trainings.

Der Kern von gutem Training ist, dass der Weg bekannt ist. Die Technik ist erprobt. Wer ihn kennt, kann andere sicher dorthin führen. Das Versprechen von Training: bewährtes Wissen sicher weitergeben – vom Kennen zum Können.

Was mich selbst daran beschäftigt

Wenn es um Fähigkeiten geht, lernen Körper und Kopf nicht durch Zuhören. Er lernt durch Tun, mit gerade so viel Unterstützung, dass er sich sicher genug fühlt, loszulassen, und mit gerade genug Herausforderung, damit wirklich etwas weitergeht. Die Stange war das beste Beispiel dafür: Sie gab Sicherheit, bis sie nicht mehr gebraucht wurde – und dann ging es weiter.

Wer sich fragt, wann Training der richtige Ansatz ist und wann Coaching, dem empfehle ich diesen Artikel.

Sketchnote – To help his clients catch some waves of success!